Projektbericht "Schulen ans Netz"

Integrierte Nutzung von Online-Diensten und Internet im Rahmen eines Leistungskurses Gemeinschaftskunde

Neues Gymnasium Feuerbach, 70469 Stuttgart

 

Das Projekt fand im Zeitraum März 1997 bis Juli 1998 statt. TeilnehmerInnen waren 7 SchülerInnen des Leistungskurses Gemeinschaftskunde am Neuen Gymnasium. Projektleiter war Ulrich Bauer.


 

Technische Rahmenbedingungen

Vor dem Förderungsantrag bei „Schulen ans Netz“ verfügte das Neue Gymnasium über einen Computerraum mit 17 Rechnern (486er und 386er), die unter WfW 3.11 vernetzt waren. Einen Internet-Zugang hatte die Schule nicht. Im Rahmen der Förderung durch „Schulen ans Netz“ erhielt das Neue Gymnasium einen ISDN-Anschluß, ein Gebührenguthaben der Telekom und einen Multimedia-PC mit ISDN-Karte.

Es stellte sich die Frage, wie ein Internet-Zugang für mehrere Rechner ohne größere Zusatzkosten zu realisieren war. Zur Auswahl standen zwei Alternativen: die Einrichtung eines Linux-Kommunikationsservers (CD-Rom der Zeitschrift c't) oder eine reine Softwarelösung. Aus Zeitgründen ( und aufgrund mangelnder Linux-Kompetenz) entschloß sich der Projektleiter für eine (kostenlose) Softwarelösung der Fa. Infopulse. Deren Programm „Gatekeeper“ eröffnete die Möglichkeit, bis zu (derzeit) 10 Rechner ans Internet anzuschließen. Nähere Informationen zu dieser Lösung finden Sie hier.

Z.Zt. Sieht die technische Ausstattung des Neuen Gymnasiums so aus:

  • heterogenes Netz von 19 PC unter WfW 3.11 bzw. Win 95 im Computerraum
  • davon 10 Rechner mit Internet-Zugang über „Gatekeeper“
  • zusätzlich 1 PC mit direktem Internet-Zugang im Computerraum und 1 Rechner mit Internet-Zugang im Klassenzimmer
  • einen individuellen Zugang zu Mail und News bietet diese Lösung nicht; z.Zt. verwaltet der Projektleiter alle schulischen Mails und News. Die Schule verfügt momentan lediglich über ein gemeinsames Postfach für alle; eine individeulle Adressierung ist jedoch möglich

Projektbeschreibung

Anspruch ...

Das Projekt will die Nutzung von Online-Diensten und Internet als integrierten Bestandteil des Unterrichts in einem Leistungskurs Gemeinschaftskunde erproben; es geht hierbei v.a. um die Erprobung neuer Formen der Informationsbeschaffung, der Recherche und des Austausches von Informationen. Das Projekt will u.a. herausfinden, ob Online-Informationen die Tageszeitung ergänzen bzw. ersetzen können, wie es um das Verhältnis von Quantität und Qualität von Online-Informationen bestellt ist und ob email als Instrument der Kooperation taugt.

Die Projektidee wurde vom Projektleiter entwickelt. Die Eltern der Schule fördern das Projekt mit einem finanziellen Zuschuß.

Ursprünglich war der folgende Projektverlauf geplant:

I. Oktober 1996 - Januar 1997 II. Februar 1997 - Juli 1997
Einführung in die sinnvolle Nutzung von Online-Diensten und Internet (Dienste, Angebote, Suchstrategien, Möglichkeiten der Kommunikation usw.) Nutzung von Wirtschaftsdiensten und Wirtschaftsdaten
   
III. September 1997 - Januar 1998 IV: Februar 1998 - Juli 1998
"Politik" in Online-Diensten und Internet (Parteien, Regierungen, Bundestag, Ministerien usw.; in der BRD und den USA Internationale Politik in Online-Diensten und Internet (Informationen über aktuelle Konflikte, Kontakte zu Betroffenen über e-mail)

Von Anfang an wurde die völlige Integration der Nutzung von Internet und Online-Diensten in den „pädagogischen Alltag“ des Kurses angestrebt. Die Beschaffung von Informationen aus dem Netz sollte so normal werden wie die Arbeit mit Lehrbüchern, Zeitungen und anderen (gedruckten) Materialien.


... und Wirklichkeit

Bedingt durch die Anlaufschwierigkeiten von „Schulen ans Netz“ (verspätete Bereitstellung des ISDN-Anschlusses, verspätete Lieferung des Multimedia-PC) mußte die Einführungsphase entfallen. Tatsächlich begann das Projekt erst mit einem halben Jahr Verzögerung im März 1997 direkt mit der 2. Phase.

In der Anfangsphase des Projektes wechselten die TeilnehmerInnen immer dann vom Klassenraum in den Computerraum, wenn der Zugriff auf einen Online-Dienst oder das Internet erfolgen sollte. Es stellte sich jedoch sehr schnell heraus, daß der Wechsel vom Klassenraum in den Computerraum für die Unterrichtssituation und den Anspruch der integrierten Nutzung sehr ungünstig war. Inzwischen befindet sich ein (vernetzter) Computer mit Internetanschluß im Klassenraum, wo er aus jeder Unterrichtssituation heraus direkt genutzt werden kann; der Computerraum wird nur noch genutzt, wenn alle SchülerInnen gleichzeitig im Internet recherchieren. Soll der Computer zum Teil des "pädagogischen Alltags" werden, gehört er da hin, wo auch sonst gearbeitet und gelernt wird - und das ist im Normalfall das Klassenzimmer, und nicht der Computerraum der Schule.

Es stellte sich rasch heraus, daß es im Umgang mit Online-Diensten und Internet es im Grunde genommen keine Probleme "technischer" Natur gibt (vorausgesetzt natürlich, die eigentliche Technik funktioniert); die SchülerInnen lernen auch ohne Vorkenntnisse sehr schnell, mit den wichtigsten Instrumenten wie Zugangssoftware, Browser usw. umzugehen. Probleme gibt es viel eher bei der Orientierung im Überangebot an Informationen. Ohne gezielte Hilfe und Anleitung (d.h. Vorstrukturierung der Informationsangebote durch den Lehrer) stellen sich - zumindest am Anfang - kaum Erfolge bei Recherchen ein.

Je allgemeiner das Thema, desto nutzloser ist das Informationsangebot des Internet; dies bedeutet nicht notwendigerweise, daß die Information nicht vorhanden ist, sondern in der Regel nur, daß es fast unmöglich ist, die Informationen auch tatsächlich aufzuspüren. Ein konkretes Beispiel: die Suche nach so zentralen Begriffen wie "Strukturwandel" oder "Strukturpolitik" in den Suchmaschinen des Internet führen zu keinen brauchbaren Ergebnissen.
Je konkreter das Thema, desto nützlicher ist das Informationsangebot des Internet; so ist es z.B. völlig unproblematisch, neueste Daten zur Konjunkturentwicklung oder zur Entwicklung des Arbeitsmarktes aus dem Internet zu beschaffen (Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt, Bundesanstalt für Arbeit).

Besonders intensiv wurden die Möglichkeiten, die das Internet bietet, zur Vorbereitung von Facharbeiten durch die TeilnehmerInnen des Kurses genutzt.

Obwohl die gleichrangige Nutzung von Online-Diensten und Internet vorgesehen war, wurden die Online-Dienste AOL, Compuserve und T-Online kaum genutzt. Dies lag weniger am Angebot der Dienste, als daran, daß ein mehrfacher paralleler Zugriff auf Online-Dienste nicht möglich ist. Auch stellte es sich bald heraus, daß in vielen Fällen die Arbeit mit Printmedien zeitlich und inhaltlich effekiver war als die Arbeit mit elektronischen Medien. Zwar wurde die Online-Arbeit tatsächlich in den Unterricht integriert, doch nicht in dem ursprünglich geplanten Umfang. Nach einer Projektdauer von jetzt knapp einem Jahr liegt der Einsatz des Mediums Internet bei weniger als einem Viertel der gesamten Unterrichtszeit.

Inhaltlich stand in der in der ersten Projektphase das Thema Wirtschaft / Wirtschaftspoltik im Vordergrund. V.a. bei der Beschaffung von aktuellen Wirtschaftsdaten konnte das Medium Internet seine Vorzüge - Aktualität, Vielfalt der Informationen - voll ausspielen. Ging es jedoch um Theorien und Konzepte, so sah die Sache sehr viel schwieriger aus. Hier zeigte sich die Überlegenheit traditioneller Medien. Am ehesten half in diesem Zusammenhang noch die Recherche in den Archiven der Zeitungen und Zeitschriften.

Beim Thema der zweiten Projektphase - politisches System der BRD und der USA - erwiesen sich v.a. die „offiziellen“ Server wie die des Bundestages, der Bundesregierung, der Parteien, der U..S. Information Agency, des Weißen Hauses oder des Kongresses als äußerst nützliche Hilfsmittel, sowohl was die Breite als auch die Tiefe der Information betrifft. So war es möglich, bestimmte Themen unter fast ausschließlicher Nutzung des Mediums Internet im Unterricht zu „behandeln“.

In der abschließenden Projektphase mit dem inhaltlichen Schwerpunkt internationale Politik sollen neben den informativen auch die kommunikativen Möglichkeiten des Internet - email, usenet - genutzt werden.

Auswirkungen des Projekts auf die Schule

Insgesamt sind die Auswirkungen des Projekts auf die Schule noch gering. Sieht man davon ab, daß die Schule ihre technische Infrastruktur zur Nutzung des Internet der Förderung durch „Schulen ans Netz“ verdankt, so kann man folgendes festhalten:

  • Die Nutzung des Internet bleibt im wesentlichen auf den Leistungskurs Politik und ein weiteres, durch „Schulen ans Netz“ initiiertes Projekt (Surfin' California) beschränkt. Darüber hinaus nutzen noch die Computer-AG und die Gemeinschaftskunde-Klassen der Schule mit einer gewissen Regelmäßigkeit den Internet-Zugang. Alle diese Aktivitäten werden vom gleichen Lehrer betreut.
  • An der Schule haben zwei schulinterne Lehrerfortbildungen stattgefunden. Anfang 1997 nahmen etwa 10 KollegInnen (von insgesamt knapp 40) an einer allgemeinen Einführung zum Thema Internet teil, die ewa 3 Stunden dauerte. Im November 1997 nahmen wiederum etwa 10 KollegInnen an einer schulinternen Veranstaltungsreihe teil, die sich über 3 Nachmittage zu je 4 Stunden erstreckte und die unterrichtspraktische Nutzung des Internet zum Thema hatte. Es bleibt zu hoffen, daß diese Veranstaltungen dazu beitragen werden, die noch deutlich erkennbaren Vorbehalte (und Ängste) bezüglich der Nutzung des Internet in der Schule abzubauen.

mehr zum Projekt hier                                                                                                                         

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